Orthomolekularmedizin

Was hinter der orthomolekularen Medizin steckt?

Pauling definierte sein Therapiekonzept wie folgt: „Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind“.

Der Begriff „orthomolekular” bedeutet soviel wie „die richtigen Moleküle” („orthos” gr.= gut, richtig; „molecula” lat.= Baustein von Substanzen), im übertragenen Sinn „die richtigen Nährstoffe”.

Das Therapieprinzip der Orthomolekularen Medizin beruht auf der Erkenntnis, dass die komplexen Stoffwechselvorgänge im Körper nur dann störungsfrei ablaufen, wenn alle essentiellen Mikronährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Mikronährstoffe wie z. B. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und essentielle Fettsäuren kann der menschliche Organismus gar nicht oder nicht in ausreichender Menge selbst herstellen. Deshalb müssen sie regelmäßig über die Nahrung zugeführt werden. In der heutigen Zeit aber sinkt die Nährstoffqualität vieler Lebensmittel durch unnatürlichen Anbau, lange Transportwege, Konservierung, unsachgemäße Lagerung und Zubereitung. Zudem ernähren sich viele Menschen falsch. Sie essen zu viel, zu fett, zu salzig und zu süß. Häufig entstehen daraus latente Mikronährstoffdefizite, die dann nach Jahren  zu einer ernsthaften Gesundheitsstörung führen.

So spielt die Ernährung und Nährstoffversorgung bei der Entstehung und/oder  Therapie von folgenden Erkrankungen eine wichtige Rolle:

  • Krebs
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • HIV
  • Katarakt (grauer Star)
  • Arteriosklerose
  • Neurodermitis
  • Psoriasis
  • Akne
  • Herpes Simplex
  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
  • Prämenstruelles Syndrom
  • Asthma bronchiale
  • Allergien
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Diabetes mellitus und damit einhergehende Neuropathie und Mikroangiopathie
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Osteoporose


Immer mehr Ärzte nutzen daher das orthomolekulare Therapiekonzept als Begleitung zur Schulmedizin. In den USA gilt die orthomolekulare Medizin schon seit 1987 als offiziell anerkanntes Therapieverfahren und wird begleitend zur Schulmedizin eingesetzt. Die Orthomolekulare Medizin wird vor allem zur Prävention und in der Therapie chronischer Erkrankungen eingesetzt. Es wird versucht, durch eine hohe Zufuhr von bestimmten Mikronährstoffen pathophysiologische Prozesse im Körper zu beeinflussen. Zum Beispiel weisen Diabetiker, im Vergleich zu Stoffwechselgesunden, einen um über 30% niedrigeren Vitamin C- Plasmaspiegel auf. Eine zusätzliche Gabe von Vitamin C kann hier der Entwicklung von diabetischen Gefäßkomplikationen, wie z. B. einer Linsentrübung am Auge, vorbeugen. Auch Raucher müssen im Vergleich zu Nichtrauchern mehr Vitamin C aufnehmen, um vergleichbare Plasmakonzentrationen zu erreichen. Auch die Wundheilung wird durch zusätzliche Vit-C Gabe gefördert, da die Kollagenfaserbildung angeregt wird.

Aufgrund der sehr komplexen Vorgänge im Körper und der Tatsache, dass es über 40 wichtige Mikronährstoffe gibt, werden in der Orthomolekularen Medizin in der Regel Kombinationen aus mehreren Mikronährstoffen angewendet. Die teilweise sehr hohen Dosierungen einzelner Mikronährstoffe werden immer wieder kontrovers diskutiert, die Studienlage ist schwierig. Bei vielen Substanzen der Orthomolekularen Medizin ist die Wirkung noch nicht durch entsprechende Studien belegt. Wissenschaftlich gesichert ist die Wirkung der antioxidativen Vitamine C und E: In einer großen Studie (Havard Nurses Study) konnte gezeigt werden, dass die Gabe von 100 I.E. Vitamin E/Tag das Herzinfarktrisiko um 41% senkt. Der Effekt einer Vitamin C Zufuhr in höherer Dosierung konnte bei einer Reihe von Erkrankungen, wie z. B. der Koronaren Herzkrankheit (KHK), Atemwegserkrankungen oder Katarakt (grauer Star), nachgewiesen werden.

Ein laborchemisch nachgewiesener erhöhter Apolipoprotein A-Wert ist mit einem intrazellulären Vitamin C Mangel vergesellschaftet unf gehört zu den kardiovaskulären Risikofaktoren. Genauso ein erhöhter Homozysteinspiegel, der auf einen intrazellulären Vitamin B-Mangel hinweist. Laut DGOM (Deutsche Gesellschaft für Orthomolekulare Medizin) lässt sich aber auch für die erhöhte Zufuhr anderer Mikronährstoffe ein gesundheitlicher Nutzen nachweisen. So konnte in einer Studie zur Migräneprophylaxe gezeigt werden, dass hochdosiertes Magnesium (600mg/Tag) die Attackenhäufigkeit und auch die Zahl der Migränetage pro Monat signifikant vermindern kann.

Orthomolekulare Wirkstoffkombinationen gibt es mittlerweile für eine Vielzahl von Erkrankungen. Spezielle Präparate gibt es z.B. zur Stärkung des Immunsystems (z.B. Antioxidantien bei Krebs), gegen Wechseljahresbeschwerden, bei Osteoporose, Arthrose, Rheuma, für Schwangere, Diabetiker oder Sportler.